Thorsten Freise im Interview

Netzzugang, Bürokratie und Genehmigungsverfahren bremsen den Ausbau erneuerbarer Energien

Herausforderungen der Energiewende

Berlin (energate) – Das Berliner Beteiligungsunternehmen Saxovent ist 1997 als Windprojektierer gestartet. Inzwischen hat sich das Produktportfolio erweitert und das Unternehmen ist auch als Investor tätig. Im energate-Interview spricht Saxovent-COO Thorsten Freise über die aktuellen Herausforderungen im Erneuerbarengeschäft: Netzanschlüsse, Bürokratie, Genehmigungsprozesse und das PPA-Geschäft.

energate: Herr Freise, Saxovent ist seit 1997 als Windprojektierer aktiv. Heute decken Sie das gesamte Erneuerbarenportfolio ab. Wie hat sich das Geschäft in über 20 Jahren verändert?

Thorsten Freise: Früher war ein Bauantrag für einen Windpark acht
bis zehn Seiten lang. Heute füllt er mehr als 40 Aktenordner. Der Aufwand ist enorm gestiegen. Die Originalfassung des EEGs war anfangs kaum dicker als ein Taschenbuch, inzwischen hat es den Umfang des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Die Genehmigungsprozesse ziehen sich endlos hin und die Digitalisierung der Verfahren kommt bisher nicht wirklich voran.

Früher war ein Bauantrag für einen Windpark acht bis zehn Seiten lang. Heute füllt er mehr als 40 Aktenordner.

Thorsten Freise – Geschäftsführer Saxovent Renewables

energate: Wie ließe sich das beschleunigen?

Thorsten Freise: Der ganze Genehmigungsprozess muss reformiert und digitalisiert werden. Ein aktuelles Thema sind unzählige Anfragen zu unreifen Speicherprojekten. Diese blockieren die Kapazitäten der Netzbetreiber und Behörden. Obwohl nur ein kleiner Teil dieser Projekte genehmigungsreif bzw. -fähig ist, weil etwa die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, werden diese trotzdem vorzeitig eingereicht. Bei manchen Netzbetreibern ist eine Bearbeitung erst in den 2030er-Jahren realistisch – bis dahin sind viele Projekte längst gestorben.

Der ganze Genehmigungsprozess muss reformiert und digitalisiert werden.

Thorsten Freise – Geschäftsführer Saxovent Renewables

energate: Wie reagieren Sie als Unternehmen auf diese Weichenstellungen? Setzen Sie stärker auf marktbasierten Stromverkauf?

Thorsten Freise: Im Bereich unserer PV-Aufdach-Portfolios agieren wir bereits außerhalb des EEG. Die Stromvermarktung erfolgt über Eigenverbrauch durch die Nutzer der Gebäude. Auch unsere Speicherprojekte funktionieren ohne Förderung. Für unser Windportfolio – sowohl den Bestand als auch Genehmigungen – prüfen wir aktuell intensiv PPA-Verträge. Beim Weiterbetrieb von ausgelaufenen Windparks ist dies bereits Standard. Aber der Markt ist angespannt und der Abschluss von langfristigen PPAs schwierig. Des Weiteren versuchen wir, Erzeugungskapazitäten mit Partnern über Kooperationen zu bündeln, um auch größere Industriekunden versorgen zu können. Um den Bedarf von größeren Industriekunden zu decken und diese Kundengruppe sicher mit Grünstrom zu versorgen, werden erhebliche Erzeugungseinheiten und -mengen benötigt. Dennoch bleibt das EEG eine wichtige Rückfalloption.

Um den Bedarf von größeren Industriekunden zu decken und diese Kundengruppe sicher mit Grünstrom zu versorgen, werden erhebliche Erzeugungseinheiten und -mengen benötigt.

Thorsten Freise – Geschäftsführer Saxovent Renewables

energate: Wie sieht die Zukunft für Saxovent aus?

Thorsten Freise: Ich kann mir höhere Ausschreibungswerte wünschen, aber das ist weder realistisch und noch zu erwarten. Stattdessen werden wir uns mit Änderungen in der Netzentgelt- und der -zugangsverordnung auseinandersetzen müssen. Die Integration von Speichern in das Netz und die Projekte wird einen erheblichen Raum einnehmen. Wenn die Projekte in der Zukunft einen Großteil der Netzausbaukosten tragen müssen oder aber die Errichtung von Grünstromspeichern zwingend wird, sind dies sicherlich zusätzliche Herausforderungen. Wir können und werden in Zukunft nicht mehr jeden Bereich in den Erneuerbaren selbst aufbauen, das ist zu zeit- und kostenintensiv. Daher setzen wir verstärkt auf Beteiligungen und Zukäufe, um unsere Wertschöpfungskette zu erweitern. Wir wollen in allen Technologiebereichen und Marktsegmenten diversifiziert wachsen – mit klarer Entscheidung, was wir selbst machen und wo wir Partner ins Spiel bringen.

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Susana Gomez
Head of Marketing & Communications
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